Verein für Kultur- und Heimatpflege Neidenstein e.V.
Verein für Kultur- und Heimatpflege Neidenstein e.V.

Aktuelles

12.03.2017 Jubelkonfirmation

26.03.2017 Konfirmation

29.04.2017 Maimarkt in Mannheim

(Gemeinsamer Stand der drei Heimatmuseen)

25.05.2017 Internationaler Museumstag

11.06.2017 Gemeinsame Museums-

öffnung der drei Museen Neidenstein, Epfenbach und Meckesheim 

 

Jüdische Geschichte

 

Neidensteins jüdische Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Nach dem dreißigjährigen Krieg entwickelte sich eine der größten jüdischen Gemeinden Badens. Im Jahr 1842 erreichte die jüdische Gemeinde mit 281 Personen ihren Höchststand. Vor allem der örtliche Handel wurde von den jüdischen Mitbürgern betreiben. Auch der Anteil an der Gesamtbevölkerung war im 18. und 19. Jahrhundert immer sehr hoch und erreichte im Jahr 1789 mit 33,6 % den höchsten Wert. Juden galten in Neidenstein als respektierte Mitbürger, die gänzlich ins Gemeindeleben integriert waren und auch in den Vereine ihren festen Platz hatten.

1796 gab es bereits eine „Judenschule“ bzw. Synagoge, die durch die steigende Zahl der Mitglieder zu klein wurde. Die jüdische Gemeindemitglieder beantragten 1820 beim Bezirksamt Sinsheim den Bau eines größeren Gotteshauses mit einem dazugehörigen rituellen Bad. Über Kollekten und Versteigerung der Plätze in der Synagoge konnten die Juden unter anderem die Finanzierung des Baus sichern. Ende 1831 oder Anfang 1832 wurde die Synagoge eingeweiht. Das Gebäude zählte zu den größten Landsynagogen in Baden. 1930/31 fand eine Renovierung anlässlich des 100 – jährigen Jubiläums durch den bekannten jüdischen Architekten Siegfried Seidemann statt. Seidemann war damals ein bedeutender Architekt, der zuvor schon die großen Synagogen in Mannheim und Heidelberg umgebaut hatte.

In der Reichspogromnacht von 1938 wurde die Synagoge dann zerstört und geplündert. Eine vollständigen Zerstörung fand nicht statt, da die Nachbarn sich gegen den beabsichtigten Brand wehrten. Sie befürchteten, das Feuer könne auf ihren Besitz übergreifen. Im Januar 1939 wurde das Gebäude von der israelitischen Gemeinde mit Kaufvertrag für 1000 Reichsmark an einem örtlichen Landwirt verkauft, der dieses teilweise abriss und mit einer Scheune überbauen ließ. Fortan diente das Anwesen zur landwirtschaftlichen Nutzung.

Im Jahr 1945 wurde die ehemalige Synagoge beschlagnahmt und der „Jewish Restitution Successor Organization“, der jüdischen Vermögensverwaltung, übergeben. Diese verkaufte ihren Anteil im Jahr 1951 an den Landwirt für 1700 DM, der das Gebäude im Jahr 1939 erworben hatte.

Seit längerer Zeit wird das Gebäude nicht mehr genutzt, ist dem zunehmenden Verfall preisgegeben und teilweise in baufälligem Zustand. Trotz der langen zweckentfremdeten Nutzung und des schlechten Zustands sind deutliche Spuren zu erkennen, die von der Vergangenheit der Synagoge zeugen. Reste der Wandbemalung, verschiedene Gesimse und die Rundbogenfenster sind teilweise erhalten. Verschiedene Indizien weisen auch auf eine Mikwe, ein rituelles Tauch- und Frauenbad, hin. Eine Überprüfung steht noch aus, auch weil das Denkmalamt die kulturgeschichtliche Besonderheit zwar anerkennt, aber keinen Handlungsbedarf sieht. Vor allem, weil die Synagoge sich immer noch in Privatbesitz befindet.

Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit dem Erhalt der ehemaligen Synagoge, konnte aber aufgrund der Besitzverhältnisse noch nicht aktiv tätig werden.

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